GANESHA ZIEHT UM…

JeanneSousan  Atelier-Werkstatt   GANESHA ZIEHT UM…

GANESHA ZIEHT UM…

Ganesha zieht um .. er hatte einen schönen Platz inmitten meines Moodboards. Vielleicht war es einfach noch nicht die richtige Position. Mein Silvesterwunsch nach mehr Fortschritt, hat sich geradezu ins Gegenteil verkehrt… dabei sollte Ganesha mir doch den Weg frei machen, das ist schließlich seine Aufgabe.

Aber ich war nicht ganz untätig :
Die ersten 40 Entwürfe hängen an der Modellwand. Ich wollte mir Überblick verschaffen über die gefühlten 100-tausend Scribbles, ein raschelnder Blätterwald aus Papierstücken, auf denen die rasch festgehaltenen Ideen umrahmt wurden von Telefonnummern, Einkaufs- und To-Do-Listen, – dezent koloriert mit Teeflecken.
Das Ding ist nur – je mehr ich auf ordentliches Papierformat gebracht habe, je mehr neue Ideen hatte ich, – wieder rasch skizziert …es raschelt im Sammelkarton… Zeit und Muse … Ganesha, hörst du mich ?

Entwürfe für Kunden sehen anders aus, akkurat, aufgehübscht , repräsentativ, vielleicht mit technischer Zeichnung. Diese hier sind meine Modellübersicht, – allerdings mit einem Extra : der Skizze für die Schnittkonstruktion.

Wie die Schnittteile für ein konventionelles Teil aussehen kann man sich vorstellen. Wenn es etwas außergewöhnlicher wird, muss man sich überlegen, wie sich ein solches 3-D-Gebilde aus zwei-dimensionalen Flächen ergeben könnte, um die Designer-Vision wahr zu machen.

Das macht eine Schnitt-Directrice, – …normalerweise. Ich bin nun mal meine eigene und denke meine Entwürfe schon auf dem Entwurfsblatt in Bezug auf die Umsetzung ” zu Ende”. … mit Kopfzerbrechen und viel Bauchweh, was schon mal ” die Schere im Kopf ” bedeuten kann.
Es kann auch sein , dass ich unbedingt gleich ausprobieren muss , ob meine Konstruktion funktioniert… dann schnippsel ich das schon mal ” en miniature”, und klebe es gleich dazu.

Mein Moodboard musste für die ersten 40 weichen, –  für diesen Ruhepunkt der Inspiration suche ich nun einen neuen Platz. Perlen, Postkarten, Teebeutel-Kuverts, Souvenirs, Stoffschnipsel. Im Zusammenspiel dieser, für mich ungeheuer wertvollen, Winzigkeiten entfaltet sich die Stimmung der Kollektion und führt mich wieder zurück zum Ursprung der Idee, falls ich mal den Faden verliere.

Es liegen noch soviel mehr Ideen im Karton, die mir am Herzen liegen.
Dazu noch die Jersey-Teile, – ist schließlich meine Spezialität. Dann noch die “unberechenbaren” Modelle, die sich aus individuellen Eigenart und Ornamentik des jeweiligen SariStoffes ergeben – die sind dann einzigartig und nicht wiederholbar. Wenn ich noch die Modelle dazu zähle, die sich aus experimentellem Konstruieren und Drapieren entwickeln, bin ich bei nahezu 100 Modellen… und da wird mir dann doch schwindelig.
Wer soll all die Schnitte machen, analog-mit Papier und Bleistift, ausprobieren, nähen, …
Wo sind meine drei Vollzeit-Directricen , – Näherinnen, mein Photograph , mein Graphiker…?!
nicht mal meine Photos hier im Blog sind auch nur ansatzweise gelayoutet oder etwas in Szene gesetzt – keine Zeit und schon gar keine Muse.

Vielleicht ist mein Traum gar nicht realisierbar, angesichts der ersten 40 Skizzen, die schon die ganze Modellwand beanspruchen wird mir das Ausmaß meines Projekts bewusst. Selbst bei den fashion weeks hat man schon kleinere Kollektionen gesehen, aber für den ersten Eindruck gibt´s nun mal nur eine Chance. Als “One-Woman-Show”, und im Nebenbei-Status , – so ist das Projekt eigene Kollektion nicht realisierbar. Ich muss zugeben ich bin müde oder besser mürbe, denn Besserung steht nicht in Aussicht. Meiner Liebe aber, tut es keinen Abbruch… aber …”was nützt die Liebe in Gedanken”. 

Ganesha hat einen neuen Platz! …heller und schöner… um geben von geflügelten Schönheiten , die ich gefunden habe: einem Pfauenauge, Faltern mit faszinierendem Farbspiel auf samtigen Flügeln, einem winzigen , in allen Farben schillernden Insekt.…für Leichtigkeit im Sein.
Pfauenfedern für Selbstbewusstsein, einer Hornisse die sich zu wehren weiß, einem Perlen-Geschenk für Unterstützung. Die Wertschätzung von traditionellem indischem Kunsthandwerk, in Form des Sari-Stempels, selbst aus Goa mitgebracht, all das müsste Ganesha doch gefallen. Ganesha selbst ist ein Geschenk meiner lieben Freundin S. – auf dass er mir den Weg frei mache.  Also Ganesha , jetzt leg mal los !